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Wie ich lernte, von «Null-Bock-auf-Sport» auf einige Male Training pro Woche zu steigern und warum mir dies sogar Spass macht

Wie ich vom Sportmuffel fit wurde

Wer mir schon länger folgt oder mich persönlich kennt, weiss, wie lange ich ein Hassverhältnis zu Sport hegte. Wie viele jungen Frauen nahm ich mir immer wieder vor, öfters Sport zu machen und schmiss’ dann doch nach zwei Wochen den Bettel hin, wenn sich weder meine Ausdauer noch meinen Körper verbesserte. Und auch als ich während dem Studium in kurzer Zeit durch mehr Sport und gesündere Ernährung fast 10kg abnahm und das Gewicht auch hielt, reichte die Motivation nie aus, die weiteren störenden Pfunde loszuwerden oder gar Sport einen richtigen Stellenwert in meinem Leben einzuräumen. 

Kein Bock auf Sport

Einmal hatte ich eine sportliche Mitbewohnerin, welche nach langem Lernen oder mühsamen Vorlesungen gerne eine Runde joggte zum Runterkommen und sich mit ihrer Mutter zum Fitness statt zum Kaffeeklatsch traf. Damals konnte ich ihr Verhalten überhaupt nicht verstehen und fand ihre Freude an Sport suspekt. Und, wenn ich heute ganz ehrlich zurück blickte, wünschte ich mir damals insgeheim auch, so einen entspannten Umgang mit meinem Körper und dem Sport zu haben wie sie. 

Als ich dann Flight Attendant wurde, war schönes Aussehen plötzlich nicht mehr nur im Privatleben, sondern auch im Job wichtig. Make Up und Frisuren konnten den Einheitslook der Uniform verändern und mit den Uniform merkte ich sofort, ob ich zu- oder abnahm. Durch den körperlich anspruchsvollen Job verlor ich zu Beginn ganz easy ein paar Kilos und weil bei Fliegen das Aussehen auch innerhalb der Crew diskutiert wird und Sport für so viele zum Alltag gehörte, entschloss ich mich dann irgendwann auch dazu, richtige Sportschuhe zu kaufen und dem Joggen eine faire Chance zu geben. 

Der erste «richtige» Versuch

Der Anfang war harzig und erst als ich mich vom Anspruch befreite, sofort schnell und fit und schön zu werden, sondern die Joggingrunden im Wald wirklich nur dem Bewegungswillen und der frischen Luft wegen machte, konnte ich den Sport langsam aber stetig in meine Leben integrieren. Wie →hier bereits geschrieben, funktionieren bei mir nur kleine Schritte statt grosser Änderungen, und so begann ich irgendwann zufrieden zu sein, wenn ich eine Runde pro Woche schaffte, statt mich schlecht zu fühlen, dass ich nicht wie die Stars und Sternchen täglich trainierte. Jetzt im Nachhinein hört sich das sogar für mich etwas lächerlich an, aber ich finde, dass ich ruhig dazu stehen kann, dass es mir lange überhaupt nicht einfach fiel und →ich auch viele Probleme immer wieder auf meinem Körper reduzierte, was mich daran hinderte, den Sport einfach als das anzusehen was er ist: Bewegung. Kein Allheilmittel. Kein Versprechen für mehr Erfolg in irgendwelchen sportfernen Lebensbereichen. Ich meine, ich gab meinem Aussehen die Schuld an vielen und flüchtete mich in diese Opferrolle, statt aktiv mein Leben in die Hand zu nehmen und nicht mehr meine Figur für Nichterfolge verantwortlich zu machen. 

In dieser Zeit begriff ich auch, dass, wenn ich nichts ändere, es mir einfach auch nicht genug wert war. Ich glaube heute, dass Stagnation nicht auf Faulheit oder mangelndem Wille, sondern auf zu wenig Leidensdruck, bzw. zu wenig Motivation beruht. Als mir dieses Erkenntnis wie Schuppen von den Augen fiel, konnte ich endlich Akzeptieren, dass ich, wenn ich wirklich etwas ändern wollte, auch die Kraft dazu haben werde. Und ich spreche hier nicht nur vom Sport! Will ich wirklich einen anderen Job oder mehr Dates oder öfters Reisen oder was-auch-immer werde ich dafür so viele Ressourcen wie nötig aufwenden. Und solange ich nichts dafür tu’ und einfach abwarte (was auch völlig O. K. ist!), bin ich mit den aktuellen Situation zumindest nicht unglücklich. Ich meine, im Endeffekt ist alles im Leben eine Frage der Priorisierung. Und das ist weder gut noch schlecht sondern einfach eine Tatsache.

Joggen macht glücklich

Sport wird zur Gewohnheit 

Erst nachdem ich mich also vom Gedanken gelöst habe, dass ein «guter» Körper mein Leben perfekt macht, konnte ich endlich ein gesunder Approach zu Sport entwickeln. Zuerst ging ich wegen gesundheitlichen Aspekten Joggen. Ich merkte, dass ich dank der regelmässiger Bewegung weniger verspannt, krank und motivierter im Alltag war. Um diesen Zustand zu halten, reichte es mir neben dem Fliegen und dem damit verbundenen stundenlang-durch-Städte-Spazieren und Trolley-Rumstossen ein- bis zweimal pro Woche zu joggen. Als ich dann in meine erste eigenen Wohnung in Zürich zog und ich plötzlich wegen eines Bürojob mehr sass und zudem am Abend auch öfters alleine war, steigerte ich die Anzahl Joggingrunde auf drei pro Woche. Immer noch nicht die Welt, ich weiss, aber ein gesundes Mass an Sport, welches weiterhin meinem Wunsch, gesund zu bleiben, erfüllte. Ich begann plötzlich auch wieder aktiver mit dem Gedanken zu spielen, Yoga zu machen, da zahlreiche Freundinnen mir davon vorschwärmte und ich überzeugt war, dass auch mir mehr Ruhe & Ausgeglichenheit, Balance & Beweglichkeit gut tun würden. Nach fast einem Jahr Büro und immer noch davon zu träumen, biegsam und zen zu sein, realisierte ich, dass ich wieder in alte Muster getappt war!

Selbstreflexion

Statt ehrlich zu mir zu sein und zu überlegen, warum ich mehr Sport machen wollte und mir zu überlegen, was mir Spass machen würde, bin ich in die typische Falle getappt, den Meinungen meines Umfeldes zu erliegen und tausend Ausreden gelten zu machen, warum es nicht klappt (also ich weder Kurs noch Zeit fand), satt zu überlegen, was ich wirklich will! 

Ich nahm mir letzten Frühling also Zeit für mich und schälte heraus, was meine Prioritäten sind und ob Sport helfen würde, diese zu erreichen. Mir wurde klar, dass sich meine Ansprüche an mich langsam verschoben hatten und dass ich definitiv mehr wollte, als nur gesund zu sein. Meine Hauptmotivation war und ist es, fit und kräftig für Abenteuer und das Leben zu sein. Mir wurde bewusst, dass Joggen alleine diese Ansprüche nicht erfüllen würde und ich begann mir zu überlegen, welche Sportart mir Spass machen und meinen Zielen dienen könnte. Schon lange war ich von Kampfsport fasziniert und je länger ich mit dem Gedanken spielte, damit anzufangen, desto vorfreudiger wurde ich. Der Gedanke an Sport war plötzlich nicht mehr quälend oder zäh sondern aufregend und motivierend. Als ich nach den Sommerferien mit Kickboxen – meinem ersten fixen Training seit der Schule – einschrieb, war ich gespannt. War es mir wirklich wert, zwei Abende in der Woche für Sport reserviert zu haben und dafür auf meine geliebte Spontanität zu verzichten? Würde mir das Kickboxen auch nach einem Monat noch Spass machen? Und kann man mit über 25 überhaupt noch einen Sport anzufangen ohne sich zum Affen zu machen?

Mut für Neues

Der Mut, was Neues auszuprobieren hat sich bei mir auf jeden Fall gelohnt. Nicht nur bin ich nach dem Training so richtig ausgepowert und habe das Gefühl, meinen ganzen Körper zu spüren, sondern habe ich mit meinem Trainingsgspändlli auch eine liebe Kollegin hier in Zürich gefunden. Und auch wenn man nach einem halben Jahr von Aussen keine Unterschiede sieht, fühle ich mich definitiv fitter als vorher. Ich weiss, bis ich dort angelangt bin, wo ich sein will dauert es noch. Aber mein Umgang mit meinem Körper ist entspannter geworden: Ich traue mir mehr zu (Abenteuer Ahoi!) und lasse mich nicht gleich entmutigen. So habe ich letztens ein Tabata-Training statt den üblichen Joggingrunde versucht und nur sechs statt acht Sprint geschafft. Statt frustriert zu reagieren (wie ich es früher gemacht habe), will ich dies nun öfters machen und hoffentlich bald auf sieben Sprints steigern. Es sind nämlich auch die kleinen Erfolge, die zählen! Und nur weil etwas heute für einen selbstverständlich ist, heisst das nicht, dass man nicht ab und zu auch etwas stolz sein darf. So wie ich, wenn ich mir überlege, dass ich mich von der Sportnull zum «ich-mal-noch-ne-Runde-Sport» entwickelt habe. 

Warum ich diese Geschichte von meinem Werdegang vom «Null-Bock-auf-Sport» zu meinem heutigen Ich überhaupt erzähle? Weil ich überzeugt bin, dass es wichtig ist, ein realistisches Bild von Sport zu haben. Weil man durch zwei Runden Joggen nicht schlank und erfolgreich aber gesünder und glücklicher wird. Weil ich anderen Sportmuffel Mut machen möchte, auf sich zu hören: Hast du wirklich keine Lust auf Bewegung, lass es sein. Aber hast du den Drang, was zu machen, dann tu’ es. Nimm dein Leben in die Hand und verändere dich Schritt für Schritt dahin, wo du willst!

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