Lebensart persönlich Wohnen

WIE FINDE ICH EINE WOHNUNG IN ZÜRICH?

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Das war diesen Frühling, nachdem ich entschlossen habe, umzuziehen, meine grosse Frage. Wie soll ich eine Wohnung in dieser Stadt finden, wo Menschen bis auf die Strasse anstehen, nur um einen Blick in eine winzige Küche und zwei Zimmer zu werfen. Selbstverständlich kostet dass dann 1800.- Franken mindestens und die Strasse unter dem Balkon ist auch nicht laut sondern urban-cool. Und dann erst noch mit meinen Ansprüchen! Hell und schön, mit Balkon und Backofen bitte und ja nicht zu teuer. Schliesslich will ich noch Reisen, Lädele, gut Essen und nicht jeden Monat in den roten Zahlen stehen. Also habe ich es via Social Media versucht.Bei Hofrat hat das so schliesslich auch geklappt. Warum also nicht bei mit?   wohnung-in-zürich-finden-tipps-social-mediaDie Kommentare waren aber ernüchternd: Mir wurden Abstellkammer (meinen Budget entsprechend), Bern (selbsterklärend) und Bars (zum Frusttrinken? Für Obdachlose?) empfohlen:

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Alle, die mir etwas ernstere Tipps gaben, empfahlen, es über Bekannte zu versuchen oder, wenn klassisch, dann ein Dossier zusammenzustellen. Ein Dossier, das mindestens so umfangreich wie bei einer Jobbewerbung sein sollte, sich aber doch von alle den anderen Dossiers abheben würde. Ehm ja, Jobdossier und ich sind so eine Sache, den letzten Job habe ich schliesslich dank eines Tweets und nicht dank meinen Dossierkünsten bekommen. Nach kurzem Nachdenken war mir klar, dass es wieder Muffins brauchte. Die Mischung von Zucker, Mehl, Schoggi und Geheimzutaten ist einfach zu verlockend, als dass wer nein sagen kann, oder? Und natürlich würde die Bewerbung Pink. Einfacher kann man nicht sagen: „Hey, ich bin eine Frau, fröhlich aber doch etwas verzweifelt auf der Suche nach einer Wohnung.“ Also fasste ich mein Leben in drei Absätzen zusammen, rundete das Ganze mit Fotos meiner Einrichtung und aus meinem Leben ab und hängte noch den klassischen CV und Kontakt zu verschiedensten Referenzen an. Pro Tipp: informiere diese Personen auch. Habe ich natürlich vergessen, nachgefragt hat aber eh niemand.

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Meine Berner Kollegen hielten mich und das Dossier für übertrieben und verrückt, mein Basler Kollege meinte, es sei viel zu persönlich, meine Zürcher Kollegen wünschten mir viel Glück, empfahlen mir aufgrund des Budgets aber weithin WGs.

So begann die Suche. Anfangs habe ich einfach in die verschiedensten Portale geguckt, und da eine tolle Wohnung (2200.- für 2 Zimmer sind mir leider zu teuer) und dort was kleines Hübsches (aber ohne Balkon) gesehen. Gebracht hat es mir nichts ausser Zeitverschwendung und Frust über all die schönen Immobilien, in die ich nie ziehen werde. Die Suche wurde also per sofort eingegrenzt (Preis, mit Balkon/Terrasse) und erweitert (eine 1 Zimmerwohnung wäre auch ok, die Wohnung muss nicht super-zentral sein).

Nachdem ich mir klar war, was ich wirklich wollte, habe ich 3 Wohnungen angeschaut. 2 Bewerbungen abgeschickt, 1 Mal telefonisch nachgefragt und da dann auch die Zusage bekommen.

Das Nachfragen wurde mir von allen Seiten nahegelegt – Interesse zeigen, Sympathie erzeugen. Ja, dachte ich, schön und gut, aber was soll ich dann sagen? Unnütze Telefonate nerven schliesslich alle. Also habe ich mir die fadenscheinigste Frage ever ausgesucht, angerufen und gefragt, wie ich den von einer Absage erfahren würde. Genau wie bei der Jobsuche gibt es auch hier die verschiedensten Möglichkeiten: man hört einfach gar nichts mehr, die Bewerbung wird zurückgeschickt oder es gibt irgendein Standardmail. Gefragt habe ich auch noch, bis wann ich mit einer Rückmeldung – ob negativ oder positiv (was mich natürlich wahnsinnig freuen würde!) rechnen kann.

Vier Tage später erhielt ich telefonisch die Zusage und zwei Wochen später bin ich in mein 1-Zimmer-Wohnung in Altstetten (Kompromiss, wobei ich Altstetten je länger je optimaler finde) mit grossem Balkon, schöner Küche (Ansprüche erfüllt) und einem Mietzins, der meinen Rahmen sogar weit unterschreitet (Jackpot! Genossenschaft sei Dank) gezogen. Ganz ehrlich, ich hätte nie gedacht, so schnell und problemlos eine Wohnung in Zürich zu finden. Mit der richtigen Einstellung ist es also ganz einfach.

Die Tipps zusammengefasst:

  1.  Überlege dir genau, was du willst, wo du Kompromisse eingehen willst und wo nicht
  2. Stelle ein Dossier zusammen, das dir entspricht aber nicht sterbenslangweilig ist
  3. Muffins als Bestechung sind legal
  4. Frage telefonisch nach
  5. Social Media kann auch funktionieren

Ich hoffe, meine Geschichte hilft und zeichnet auch ein kleines Gegenbild zu all den Horror-Stories von Wohnungssuchenden in Zürich. Ich bin mir sicher, dass jeder sein passendes Zuhause findet, es ist einfach wahnsinnig wichtig zu wissen, was man will und realistisch betrachtet auch haben kann.

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