Accessoires mode Nachhaltigkeit

Der Stoff, aus dem (Alb-)Träume sind: Warum du unbedingt die Etiketten deiner Kleidung lesen solltest!

Hast du schon einmal darauf geachtet, aus was deine Kleidung eigentlich gemacht ist? Während das Zutatenlesen beim Kauf von Nahrungsmittel schon fast zum guten Ton gehört (man ernährt sich schliesslich bewusst), geht dies bei den Stoffen, die man trägt, oft vergessen. Dabei sagt das Gewebe deiner Kleidung wesentlich mehr aus, als nur wie heiss du das Stück waschen darfst.

Kann Pelztragen ökologisch sein?

Wie so oft im Leben ist auch die Entscheidung, in was für Stoffe du dich hüllen willst, individuell. Grob lassen sich drei Richtungen einschlagen:

  • Tierischer Ursprung vs. pflanzliche Stoffe
  • Natürliche Fasern vs. Synthetik
  • Biologische vs. konventionelle Stoffe (vs. rezyklierte Stoffe)

Bei diesen Punkten gibt es also nicht klar richtig oder falsch. Darum lohnt es sich, sich über die Hintergründe zu informieren und so bewusst die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Produkt zu treffen. Um zu zeigen, was ich damit meine, trage ich in diesem Beitrag mal drei grosse Behauptungen zusammen und beleuchte diese differenziert. 

Tierisch schöne Stoffe?!

«Pelz ist immer schlecht.»

Da nickt bestimmt jede*r. Und auch ich bin fast damit einverstanden, gäbe es nicht die klitzekleine Ausnahme der 30’000 Schweizer Rotfüchse, die jedes Jahr in der Schweiz geschossen werden müssen und die dann einfach verbrannt werden. Von denen (und nur von denen!) den Pelz zu nutzen, finde ich sinnvoll. «Nein!», werden Gegner*innen rufen, «Damit schafft man Akzeptanz für Pelz!» Ich finde nicht – Ressourcenverschwendung ist IMMER sinnlos und ich traue der Schweizer Bevölkerung durchaus differenziertes Denken zu.

Kaufen kann man diese Schweizer Rotfuchspelze aber fast nirgends, ich kenne eine Pelznäherin persönlich und sie hat mir einmal einen älteren, schwarz gefärbten Fuchskragen geschenkt. Eine Zeit lang konnte man auch wunderschöne Schweizer Rotfuchskragen bei Asandri kaufen – wo es aktuell Schweizer Rotfuchs gibt, weiss ich nicht.

Dieses kontroverse Thema zeigt, dass sich auch bei scheinbar klaren Antworten ein kurzes Reflektieren lohnt!

«Leder, das ist doch einfach der Abfall von Fleisch? Das NICHT zu nutzen, wäre unökologisch!»

Ja, wenn es nur so einfach wäre! Der Film →«Gift auf unserer Haut» zeigt, wie traurig die Lederproduktion wirklich ist. Und am Schluss verlieren alle: Das Tier, der*die Gerber*in und auch der*die Konsument*in (also du und ich), weil wir mit unserer Haut die Giftstoffe, die durch das unsachgemässe Gerben entstehen, aufnehmen und Allergien entwickeln.

Klar, auch hier gibt es Ausnahmen: Veja produziert beispielsweise wirklich Schuhe aus Leder, welches als Abfallprodukt bei der Fleischproduktion entsteht und auch das Zürcher Start-Up →fin Project setzt auf glückliche Kühe und pflanzliche Gerbung des Leders.

Die zwei Beispiele zeigen: Materialen von Tieren (nicht nur Pelz und Leder, sondern auch Wolle und Daunen) sind als gute Wahl meistens eine Ausnahme. Und uninformiert wird aus dem Traumkleid schnell ein Albtraumkleid, an dem viel Leid klebt! 

Natur pur

«Alles egal, Hauptsache pflanzliche Fasern!»

Die Entscheidung ist also gefallen: Kein Tier mehr im Kleiderschrank. Oder wenn, dann nur überlegt. Dann können wir ja jetzt einfach losziehen und Baumwollkleider à gogo kaufen? Nein, denn auch hier ist nicht alles Natur, was gefällt!

Bio Baumwolle

Baumwolle: gut oder Fluch?

Denn so gut sich Stoffe aus pflanzlichen Fasern auf der Haut auch anfühlen: Der konventionelle Baumwollanbau ist voller Pestizide und so nicht nur für die Natur, sondern auch für die Menschen schädlich und ausnutzend. In Indien ist die Situation so prekär, dass man vom grössten, kollektiven Selbstmord der Welt spricht: →In den letzten zehn Jahren haben sich dort 200’000 Bauern das Leben genommen.

Mehr als gut also, dass auch immer mehr gewöhnliche Labels Biobaumwolle verwenden! So z. B. auch der Onlineshop →Peter Hahn, welcher das Green Cotton Sortiment extrem vergrössert hat. An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön für das Möglichmachen dieses Beitrags.

ökologisches Material für Kleidung

Kleid aus der Peter Hahn →Green Cotton Collection // Schuhe von Veja // Schweizer Rotfuchskragen von Asandri

Noch besser als Biobaumwolle ist aber biologisch angebauter Bambus – ein angenehm fliessender, leicht glänzender Stoff, welcher aber etwas schwieriger zu finden ist als Biobaumwolle. Besser ist Bambus deshalb, weil er weniger Wasser im Anbau braucht. Aber hey, kaufst du Kleidung aus Biobaumwolle (und das findet man ja echt fast überall), machst du schon vieles richtig!

Für einige Kleidung wie Badesachen und Sportsachen braucht es aber kompliziertere Stoffe, da greifst du dann am besten zu rezykliertem Gewebe, wie es beispielsweise Patagonia oder das Zürcher Label Lola|Fred anbieten.

Du willst nicht nur guten Stoff, sondern auch gerecht entlöhnte Näher*innen? →Dann schau dir doch meine fair fashion Lieblingslabels an.

2 Comments

  • Reply
    Alicja
    1. Februar 2018 at 19:11

    Super Artikel und ich stimme absolut zu.
    Ich bin übrigens Pelzträger, ich kaufe die Teile in Secondhand oder Thrift Stores – Das Zeug ist schon da und Pelz ein sehr langlebiges Material. Und in meiner Logik ist es in der Essenz immer noch ethischer, bereits vorhandene Dinge zu nutzen, als für Neues Resourcen zu verschwenden.

    Was noch ganz wichtig wäre, ist eine Legalisierung von Cannabis, nicht nur medizinisch nutzbar, sondern wundervolles Verpackungsmaterial, Material für Stoffe, Kleidung, sogar Baustoff und Brennstoff. Eine so vielseitig einsetzbare, einfach anzubauende Pflanze DARF nicht illegal sein.

    MuSkin ist auch ein interessantes Konzept, eine Lederalternative aus Pilzhaut.

    Danke für den tollen Artikel und die Infos, den werde ich beizeiten, wenn ich selber zu dem Thema schreibe, verlinken. Bzw. Ich glaube, ich habe einen Artikel, bei dem eine Weiterleitung zu Dir hier sehr sinnvoll wäre.

    Toller Blog!!!

  • Reply
    Vom Primark Shopoholic zu ethischer(er) Mode – Lost Behind The Mirror
    1. Februar 2018 at 22:07

    […] Auf A Cocktail A Day findet ihr einen ganz tollen Artikel zum Thema Materialien bei der Kleidung und Stoffkunde.  […]

  • Leave a Reply

    not all those who wander are lost