essen & trinken Lebensart

ZUHAUSE ESSE ICH VEGAN!

Im neuen Jahr nehme ich ab. Höre auf zu Rauchen. Werde endlich ein guter Mensch… Blablabla. Wohl kaum jemand hat sich jemals an seine Neujahrsvorsätze gehalten, auch du nicht, oder?! Ich jedenfalls habe es nie geschafft, mein Leben total umzukrempeln, nur weil ein Neues Jahr begonnen hat. Und trotzdem haben sich Änderungen in meinem Leben eingeschlichen, die Rückwärts betrachtet grösser scheinen, als sie sind. So habe ich letzten Frühsommer meine Ernährung umgestellt. Nicht radikal oder ausschliessend wie viele predigen, sondern ich habe mir ein Konzept überlegt, dass Genuss, Ethik, Gesundheit und Umsetzbarkeit einschliesst. Ich hoffe, dass dir dieser Post als Inspiration dient, über deine Ernährung und deine Werte nachzudenken und du dein eignes Konzept arbeitest.

Doch was war überhaupt die Motivation dahinter, mir Gedanken über mein Essverhalten zu machen?

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MOTIVATION: GESUNDHEIT & WELT-VERBESSERUNGSTRÄUME

In den Supermärkten finden wir, was wir uns wünschen. Würden alle nur Bioprodukte kaufen, gäbe es nur Bioprodukte. Ässen alle nur Rind und kein Poulet oder Schwein mehr, wäre beim Metzger nur noch Rind in allen Variationen zu kaufen. Du denkst jetzt vielleicht, diese Gedanken sind absurd, dann schaue mal, wie sich das Sortiment in den Shops dauernd verändert. In der Schweiz gibt es jugoslawische Produkte in den grossen Ketten – vor zwanzig Jahren war das noch undenkbar. Und neu findest du im Migros und Coop Tofu in unterschiedlichsten Variationen. Noch vor ein paar Jahren hätte man dafür in eine Reformhaus oder Öko-Laden gehen müssen.

Ich glaube, die Konsumentenmacht ist nirgends so stark zu spüren wie bei den Esswaren. Schliesslich essen alle und kaufen immer wieder neu ein. Bei Kleidung beispielsweise konsumieren die Menschen nicht nur weniger, ein Kleidungsstück wird, im Gegensatz zu Brokkoli, auch mehr als einmal genutzt.

Meine Gesundheit ist mir wichtig. Ich möchte noch viel erleben und will fit sein für Abendteuer. Ausserdem bin ich überzeugt, dass Vorbeugen besser als Heilen ist. Wer auf Ernährungswissenschaftler hört, weiss, dass eine abwechslungsreiche, frische Küche die beste ist. Von striktem Verzicht raten praktisch alle ab.

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Leckere, einfache, vegane Rezepte gibt es auf dem Blog →The Vegan Stoner.

GENUSS & UMSETZBARKEIT

Ich wusste: egal wie sehr mich ein Konzept überzeugt, ich muss in der Lage sein, noch alles zu essen. Warum? Einerseits reise ich privat gerne, bin aber auch beruflich extrem viel unterwegs. Nicht überall gibt es alles und ich will flexibel bleiben. Zudem liebe ich es, Neues auszuprobieren und esse einfach wahnsinnig gerne ;) Auch will ich Gastgebern nicht durch tausend Extrawüsche zur Last fallen. Nichts ist mühsamer als Gäste, die einem nach dem „Danke für die Einladung“ gleich noch die Liste der Nahrungsmittel, die sie nicht essen wollen, durchgeben. Bei Allergien ist das was anderes, aber da habe ich – glücklicherweise – ja keine.

ETHIK

Du musst selber entscheiden, wie du zur Nahrungsmittelproduktion stehst und welche Punkte dir wichtig sind. Für jemand ist vielleicht das Töten von Tieren das schlimmste, andere kritisieren mehr die Haltung deren oder für andere sind lokale Produkte der Inbegriff von Ethik. Ich habe primär ein Problem mit der Tierhaltung und der Menge des Konsums tierischer Produkte. Als ich realisiert habe, dass es in der USA das Projekt „Meatless Monday“ gibt war ich geschockt: es ist anscheinend normal, jeden Tag und zu fast allen Mahlzeiten Fleisch zu essen. Von den gesundheitlichen Aspekten ganz abgesehen, empfinde ich diese Fleischmenge als masslos übertrieben und schockierend.

Biologische Produkte sind mir ein Anliegen, wobei ich nach einer Steuerrechnung oder Ende Monat auch öfters nicht-biologisch Einkaufe. Muss ich mich entscheiden, habe ich lieber eine Bio-Milch als eine Bio-Kartoffel, da zwar nichtbiologischer Gemüseanbau das Ökosystem schwächt aber nicht direkt ein Tier darunter leiden muss.

WIE SIEHT DAS MODELL NUN AUS?

Ich würde mein Modell als Dreistufen-Modell bezeichnen.

Zuhause, wenn ich selber koche, esse ich vegan. Dies erreiche ich auch – geschätzt – zu 90%. Ich habe die Kuhmilch im Kaffee mit Reis- oder anderer Alternativ-Milch ersetzt, nutze zum Backen Apfelmus und Margarine statt Eier und Butter und lasse den Parmesan bei der Pasta weg. Ein tolles Buch dazu ist →„Vegan Kochen“, nebst leckeren Rezepten zeigt es übersichtlich Alternativprodukte auf. Von all den veganen Kochbücher, die ich mir als Inspiration gekauft habe, ist dies das nützlichste.

Zudem versuche ich meine Einkäufe saisonal, regional und biologisch zu halten. Hier habe ich aber noch viel verbesserungspotenzial. Allerdings: kaufe ich ausnahmsweise Eier, Milch oder andere tierische Produkte sind diese ausnahmslos aus der Schweiz und – wenn erhältlich – biologisch.

Auswärts esse ich vegetarisch. Ausser ich bin bei jemand privat eingeladen (dort esse ich, was auf den Tisch kommt) oder es ist mein monatlicher Fleisch- oder Fischtag, ich am Meer und es werden lokale Produkte angeboten.

Die Ausnahmen sind der Clou an meinem Modell: einmal pro Monat esse ich Fleisch und ein anderes Mal Fisch. So kann ich all‘ meine Essenslust stillen und habe nie das Gefühl, auf irgendetwas verzichten zu müssen. Allerdings achte ich bei diesen Fisch- und Fleischtagen sehr auf Herkunft (Schweiz) und Qualität (bio) der Produkte. Fleisch esse ich meistens Zuhause bei Mama, welche zu 90% Schweizer Bio-Fleisch kocht. Fisch esse ich meistens am Meer oder am See, wo lokale Produkte angeboten werden.

Negative oder radikale Stimmen bezeichnen dieses Modell sicher als lächerlich oder inkonsequent, aber gerade durch die Flexibilität fällt mir das bewusste Essen viel leichter und ich kann endlich mein Konsum von tierischen Produkten mit meinem Gewissen vereinbaren. Wenn ich Dokus von Fleischproduktion und Massentierhaltung sehe – schau‘ dir den Clip oben aus dem Film →Samsara an, er ist unkommentiert und du kannst dir dann dein eigenes Urteil bilden – bin ich froh, nicht mehr massgeblich zu diesem Leid beizutragen.

WIE WEITER?

Natürlich bin ich weit davon entfernt, der ethisch-perfekte Konsument zu sein. Ich kaufe Ledertaschen, schaue bei Kosmetik mehr auf die Wirkung als die Inhaltsstoffe und entscheide mich für Kleider, die mir gefallen statt schadstofffrei produziert wurden… Mit meinem Essverhalten habe ich aber, meiner Meinung nach, einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, ohne Radikalität oder Belehrung. Und dieser Punkt ist mir besonders wichtig: DU musst selber entscheiden, was du aus welchen Gründen essen willst oder nicht. Sich aber einmal zu informieren und sich Gedanken über das Essverhalten zu machen, wird dir helfen, Entscheidungen für dein Gesundheit und deine Ideale zu treffen. Dies ist tausendmal sinnvoller als irgendwelche Diäten oder Neujahrvorsätze!

Über deine Gedanken zu diesem Artikel freue ich mich sehr. Gerne darf auch konstruktiv kritisiert und diskutiert werden.
[kristina]

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