Bloggen Nachhaltigkeit

Prime Computer Mini 3 im Test. Oder: Was bedeutet es, nachhaltige Elektronik zu kaufen?

Seit ich mich →im Mai entschlossen habe, nachhaltiger zu leben, kamen je länger je mehr weitere Aspekte des Alltags hinzu. Kosmetik, Essen und gerade erst habe ich mir einen klassischen Emaille-Teekocher bestellt, damit ich mein Teewasser bald nicht mehr in Plastik koche (Warum? →Darum.). Ja, böse Zungen könnten behaupten, ich werde langsam zum Ökofreak. Kein Ende in Sicht!

Prime Computer Mini 3 Desk
Kaum Gedanken habe ich mir aber bisher zur Elektronik gemacht. Ich fand, dass ich aus psychischer und finanzieller Sicht das Ganze schon recht optimiert habe (ich besitze keinen Fernseher und auch kein Wi-Fi) und war bzw. bin mit meinem MacBook und Samsung Handy so zufrieden, dass ich auch keinen Gedanken zum Neukauf, geschweige denn der Nutzung verschwendete.

Dies änderte sich, als mir Prime Computer die Anfrage schickte, den chicen Desktop-PC →PrimeMini 3 zusammen mit Bildschirm & Tastatur zu testen. Das gewinnende Argument? Der PC ist nachhaltig in der Schweiz hergestellt. Ein Alleinstellungsmerkmal – ist Elektronik im Normalfall doch alles andere als nachhaltig: Die Produkte funktionieren oft weder stromsparend, noch sind sie ökologisch, geschweige denn sozial verträglich produziert. Aber wie soll man sich das auch ins Bewusstsein rufen, wenn die Komponenten und deren Herkunft nicht oder nur unzureichend deklariert werden?!

PrimiMini 3Beim →Kauf des PrimeMini 3 gibt es als Weihnachtsgeschenk aktuell noch eine 250 GB externe Festplatte dazu. Wenn du dir also schon länger überlegst, dein Home Office aufzurüsten, könnte dies der passende Moment sein :)

Wer sich lieber auf sein Glück verlassen möchte: →Hier gibt es den PrimeMini 3 zu gewinnen. Toi, toi, toi!! 

Nebst der Freude, Mal wieder an einem «richtigen» PC zu arbeiten, stellte sich mir mit der Nutzung des Computers aber vor allem diese Frage: Was können wir Normalverbraucher*innen also machen, um auch in diesem – immer wichtiger werdenden Lebensbereich – einen Schritt Richtung bessere Welt zu gehen?

Hier darum ein längst überfälliger Blogpost, der der Frage der Nachhaltigkeit von Laptops und Smartphones auf den Grund geht und zudem nebenbei ein paar Ideen fürs Geldsparen liefert. Gut für die Welt, gut fürs Portemonnaie – Win-Win würde ich sagen!

Die wichtigste Frage ist: Welche Geräte & Features brauche ich wirklich?

Nur das neuste iPhone zu kaufen, um zu zeigen, wie toll man ist, ist out. Auch wenn Apple laut diesem Ranking bei Elektronik eine →der wenig-schlechteren Wahl ist – besser als der Kauf eines neuen Produkts, ist es, das alte solange zu brauchen, bis es den Geist aufgibt oder halt wirklich gewisse, unabdingbare Features nicht mehr gehen oder genügen.

Die Frage, welche Aspekte das Produkt unbedingt erfüllen muss, habe ich mir schon vor meinem ökologischen Sinneswandel gestellt. Denn seien wir ehrlich: Die Preise für Elektronik sind heute hoch genug, dass es sich lohnt, zu überlegen, was langfristig Nutzen bringt.

Bei mir waren dies damals bei der Wahl des MacBooks: gute Qualität, langer Akku, leichtes Gewicht. Bei dir kann das komplett anders sein: leistungsstarke Grafikkarte zum Gamen oder ein spiegelfreier Bildschirm für die Bildverarbeitung.

Heute sähe meine Wahl eventuell anders aus – nicht nur bin ich informierter, auch meine Ansprüche haben sich geändert. Nicht, weil ich weniger mobil bin, sondern weil wir diese Winter von der SWISS ein iPad als Arbeitsgerät zur Verfügung gestellt bekommen. Ob ich wirklich einen leichten Laptop mit mittlerer Leistung und ein iPad brauche, das mit einer Tastatur versehen ein praktisches Arbeitsinstrument für unterwegs ist? Ich zweifle daran. Werde aber sehen, wie oft ich das MacBook zum iPad doch noch einpacke, um unterwegs, inspiriert vom intensiven Puls der Metropolen, ein paar Zeilen zu tippen.

Home Office PrimeMini 3Kleines Home Office mit leistungstarkem PrimeMini3

Ich kann mir aber auch vorstellen, dass ich mir zu Hause einen fixen Arbeitsplatz einrichten würde, hätte ich nicht bereit meinen Laptop. Und dann hätte mich der Prime Computer auf jeden Fall zum Kauf überzeugt: Ohne Lüfter ist er wartungsarm (noch zu gut habe ich das Pfeifen und Surren meines alten Laptops in den Ohren, als mich nicht bereits diese Eigenschaft zu einem potenziellen Kunden machen würde…), komplett rezyklierbar und wird in der Schweiz entwickelt & zusammengebaut.

Exkurs: Rohstoffgewinnung für Elektrogeräte

Prime Computer verspricht: «Sowohl das Gehäuse als auch das Verpackungsmaterial bestehen grösstenteils aus Sekundärrohstoffen: Materialien, die durch Recyceln von Abfällen wiedergewonnen werden. Ausgediente PrimeMinis sind sogar zu 100 Prozent wiederverwertbar. Prime Computer nimmt sie zurück und recycelt sie kostenlos.» Ein wichtiges Versprechen, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen die Rohstoffe für elektronische Geräte gewonnen werden. Exemplarisch dazu den Podcast →Kongo – armes reiches Land, SRF International vom 24. Juni 2017, indem ein Kongolese sagt «wir leben, als wären wir bereits tot». Mit Hammer und Meissel brechen die Arbeiter in Stollen unter der Erde täglich während 18 Stunden Coltan. Auf dem Weltmarkt kostet ein Kilo Roherz bis zu CHF 400. Die Mineure verdienen für ein Tagwerk rund CHF 3. Noch schlechter geht es den Frauen. Sie werden gezwungen das Erz der Mienen in 20 bis 25 kg Säcken von der Miene ins zehn Kilometer entfernte Dorf zu tragen, jeden Tag, ohne Pause. Das für uns Unvollstellbare beginnt, wenn sie den Tageslohn von 50 Rappen bekommen wollen. Eine Frau erzählt: «In den Mienen werden wir Frauen respektlos wie Tiere behandelt. Um meinen Lohn muss ich jeden Tag betteln. Meistens sagt der Chef, dass ich die 50 Rappen nur erhalte, wenn ich mit ihm schlafe. Und weil ich keine andere Wahl habe – zu Hause warten meine hungrigen Kinder – schlafe ich nach dem langen Arbeitstag noch mit dem Chef und erhalte dann endlich meinen Lohn.» Aus Coltan wird das rare Metall Tantal gewonnen. Tantal wird in Kondensatoren für Digitalkameras, Spielkonsolen, Laptops, Flachbildschirme & Mobiltelefone verwendet. →Eine Alternative dazu gibt es nicht. Aber nicht nur Coltan, auch andere Rohstoffe wie z. B. Kobalt, die für heutige Elektrogeräte unabdingbar sind, werden in der Demokratischen Republik Kongo gefördert. Wie viel vom →Höchstpreis USD 60’000/Tonne Kobalt bei den Mineuren ankommt? →Weniger als Nichts.

Gut, nun ist man sich also den Anforderungen bewusst und es steht auch ausser Frage, dass das alte Gerät recycelt werden muss. Es kann zur Wahl geschritten werden. Am einfachsten ist das Erstellen einer Liste mit Produkten, die die eigenen Anforderungen erfüllen. Daneben Antworten auf die Fragen: Wie stehen sie im Preis-Leistungs-Verhältnis bei der Anschaffung, aber auch beim dauerhaften Gebrauch? Wie ist die Garantie, wie der Stromverbrauch? Dass sich das Ausrechnen davon auf einen längeren Zeitraum lohnt, zeigt diese Grafik:

Vollkostenrechnung PrimeComputer

Diese Berechnung bezieht sich auf fünf Jahre. Aber auch →gerechnet auf drei sind deutliche Einsparrungen ersichtlich

Unbedingt prüfen sollte man vor einer Anschaffung auch, ob das Wunschgerät nicht doch bereits gebraucht gekauft werden kann – DariaDaria schreibt in ihrem →Blogpost 5 Tipps um Elektronik nachhaltiger zu machen: «Für mich ist dieser Punkt am Wichtigsten geworden. Ich versuche inzwischen sehr viel, angefangen bei Kleidung, hin zu Pflanzen, gebraucht zu kaufen, weil es schlichtweg die ökologisch wertvollste Variante des Konsums ist.» – oder ob das alte Gerät nicht doch noch zu einem vernünftigen Preis repariert werden kann.

So, die Wahl ist getroffen, das sinnvollste Gerät ist nun gekauft. Ende gut, alles gut? Leider nicht ganz.

Ein vernünftiger Umgang mit Elektronik – für dich und die Welt

Wie gross der Einfluss des Internets und von Social Media auf uns als Gesellschaft ist, könnte ganze Bücher füllen. Während →Der Spiegel 2010 noch fast belächelnd konstatierte «Das Mitmach-Netz [ist] trotz steigender Nutzerzahlen noch nicht im Mainstream angekommen.», hat heute das Mitmachen einen Druck und eine Eigendynamik bekommen, das plötzlich Begriffe wie FOMO (→«das neuste Symptom Technologie-induzierten Weltschmerzes.») die Runde machen. Dass den Internetnutzern heute jeglicher Anstand fern ist, zeigen zahllose Kommentarspalten in Social Media, die oft von Verleumdung und Mobbing nur so strotzen. Dass ein gesunder, distanzierter Umgang mit diesen Nachrichten gelernt werden muss, ist wichtiger denn je – so hat doch dieses Jahr →digitales Mobbing sein erstes, erst 13-jähriges Todesopfer der Schweiz gefordert.

Für mich ist klar: Mediennutzung und -Ethik gehören in die Schule. Aber auch wir Älteren müssen uns bewusst machen, wie wir das Internet und Social Media nutzen. Wann surfen wir einfach nur aus Langeweile? Wann kommentieren nur aus schlechter Laune oder Frust? Schaffen wir mit unserem Tun einen Mehrwert oder →inszenieren & reproduzieren wir damit nur Nichtigkeiten? Ich finde, das World Wide Web sollte endlich wieder zu dem werden, als was es einmal gedacht war: Dem Austausch von Informationen. Gerne auch gepaart mit Encouragement. Dass dies durchaus möglich ist, zeigt die aktuelle →#metoo-Kampagne, die in weniger als zwei Monaten ein Erdbeben auslöste.

Ein bewusster Umgang mit Social Media & dem Internet hat aber nicht nur einen positiven Einfluss auf das eigene Wohlbefinden und die Community, sondern auch auf das Klima:

«Global betrachtet sind die digitale Kommunikation und der Online-Medienkonsum ein bedeutender Klimafaktor: Das Internet verursacht den gleichen CO2-Ausstoss wie der gesamte Flugverkehr. Wäre das Internet ein Land, läge es im globalen Ranking des Stromverbrauchs auf Platz 6.» (Papier und Folie: überraschend gute Ökobilanz, Pro Natura Magazin 4/2017)

Einmal mehr den PC ausschalten und sich einem guten Buch (aus der Bibliothek) zu widmen oder offline durch die Welt zu spazieren bringt also mehr also nur psychische Vorteile. →Wer will schon so abhängig vom Online-Austausch werden, dass er*sie diesen gleich gewichtet wie Offline-Beziehungen? Ich jedenfalls nicht!

Zusammenfassen kann also gesagt werden: Die Wahl eines nachhaltig produzierten Geräts wie dem →Prime Computer oder dem →Fairphone ist immer besser als eines der grossen Player. Aber auch die Zeit online zu reduzieren und sich nicht in den rosaroten Weiten des Webs zu verlieren, ist wichtig. Beide Entscheidungen werden eine direkte Steigerung des Wohlbefindens bei dir auslösen und dabei der Umwelt helfen. 

Hier noch drei Links, die Inputs geben, wie du Strom sparen und weniger an Computer oder Smartphone hängen kannst:

Und zwei gute Beiträge, die sich um nachhaltige Smartphones drehen:

Was denkst du zum Thema nachhaltige Elektronik? Hast du dir bereits Gedanken zur Herkunft der Geräte oder deinem eigenen Konsum gemacht? Ich freue mich auch über Inputs zum Blogpost oder ein Share, wenn er gefällt :)

Vielen Dank an Prime Computer, die diesen umfangreichen Beitrag möglich gemacht haben!

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