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FAQ Flight Attendant: Typischer Arbeitsplan, Wohnort und Unterschied Edelweiss/Swiss

Höchste Zeit wieder für ein neues FAQ zu meinem Job als Flight Attendant – die Fragen häufen sich und statt jeder*m einzeln zu beantworten, hier die TOP 3 Fragen. Viele andere Fragen haben ich bereits →hier & →da beantwortet. Willst du was anderes wissen, zögere nicht zu kommentieren. Ich tu’ mein Bestes, allen gerecht zu werden :)

FAQ Flight Attendant Arbeitsplan, Wohnort, Edelweiss vs. Swiss

Arbeitsplan ~ 100 % Pensum ~ aka: «Arbeitest du überhaupt?!»

Ein typischer Arbeitsplan gibt es beim Fliegen eigentlich nie. Mal besteht mein Einsatz aus Hong Kong und Singapur, in einem anderen Monat habe ich «Europa-Express» (= Hin-und-her-Fliegen ohne Ende), dann wieder nur Ostküste USA oder auch Mal kreuz und quer rund um die Welt.

Allerdings gibt es ein paar Regeln bei der Swiss, an die sich auch die Planung halten muss. Nämlich die sogenannten «Flight Duty Regulations», die mit jedem Gesamtvertrag (der aktuelle ist noch bis 2021 gültig) neu verhandelt werden, aber die gesetzlichen Mindestanforderungen an Restzeit bzw. Maximalzeit an Einsatzzeit natürlich nicht unter- bzw. überschreiten darf.

Das hört sich jetzt etwas abstrakt an, drum hier die wichtigsten Facts & Figures

  • Die Rotationsdauer bei Europaflügen darf nicht länger als fünf Tage sein
  • Pro Monat dürfen maximal 100 Blockstunden (Blockstunden sind reine Flugstunden. Die Bodenzeit, die fürs Briefing, Ein- und Aussteigen der Passagiere etc. gebraucht wird, wird hier nicht eingerechnet.) geflogen werden. Die 100 Blockstunden entsprechen laut Swiss einer 42-Stunden-Woche.
  • Pro Monat müssen mindestens neun Freitage in der Schweiz geplant werden.
  • Feiertage zählen als normale Arbeitstage, man hat also weder Anspruch auf frei noch auf eine zusätzliche Vergütung o.Ä.
  • Pro Jahr hat man vier Wochen bezahlten Urlaub.

Und ja, ich habe dich gehört! Hier darum zwei Beispiele meiner Einsatzpläne:

Swiss Einsatzplan Flight Attendant Juni Ein Monat nur mit Langstrecke; China & USA

Swiss Einsatzplan Flight Attendant DezemberΚαλημερα! Ein Monat mit dem einen oder anderen Glas griechischem Wein ;)

Wohnort ~ «Muss es Zürich sein oder geht auch Brüssel, Hamburg, Berlin, Bern oder Sepps Alp im Allgäu?»

Wie du vielleicht weisst, wohne ich in Zürich. Als ich aber mit Fliegen angefangen habe, habe ich noch in Bern gewohnt und bin jeweils mit dem Zug zur Arbeit gefahren. Swiss hört am Assessment zwar gerne, dass du dir vorstellen kannst, nach Zürich umzuziehen (damit zeigst du Flexibilität und Commitment), was du aber genau machst und wo du wohnst, ist ganz alleine deine Entscheidung.

Du solltest einfach Folgendes im Kopf behalten:

  • Bei Reservedienst musst du innerhalb einer Stunde am Flughafen sein.
  • Du hast mehrmals im Jahr «Schule», zu Beginn der Ausbildung mindestens 4 Wochen.
  • Es gibt Rotationen, wo du um 6 Uhr parat sein musst oder erst um 22 Uhr fertig gearbeitet hast.
  • Pendeln mit dem Auto ist möglich – sei aber ehrlich zu dir selber, ob du dies nach einem langen Tag noch schaffst, ohne dich und andere zu gefährden.
  • Pendeln – egal ob mit Zug, Bahn oder Flugzeug – kostet. Rechne durch, ob du es dir überhaupt leisten kannst.

Das hört sich jetzt so an, als müsstest du in Zürich wohnen. In der Realität haben wir aber viele, die in Berlin und Wien oder auch Hamburg, den Alpen oder im Elsass wohnen. Ich bin sogar schon mit einer Flight Attendant geflogen, die in Texas wohnt. Sie arbeitet allerdings nur aus Aushilfe. Das Pendeln in Europa ist theoretisch mit einem 100-%-Pensum möglich und viele machen dies auch.

Um die Randzeiten, die Schulungstage und Reserve abzudecken, gibt es rund um den Flughafen viele Stand-by-Zimmer. Das sind Wohnungen bzw. Zimmer, die sich verschiedene Flight Attendants teilen und dafür so um die 100-200 CHF pro Monat zahlen. Andere haben Deals mit Hotels oder wohnen bei solchen Einsätzen bei Freunden oder Verwandten.

Pendeln in Europa ist also – wie zahllose Beispiele bei der Swiss zeigen – möglich. Ich persönlich möchte mir den Stress und die Zusatzkosten nicht aufhalsen, wohne aber halt auch einfach gerne in Zürich. Hier gilt klar: Wo ein Wille ist, ist ein Weg!

Edelweiss vs. Swiss ~ «Was sind die Unterschiede, was empfiehlst du?»

Lange war die Frage einfach zu beantworten: je nach Erfüllung der Anforderungen diese oder die andere Airline. Da nun aber Edelweiss auch dringend Flight Attendants sucht und die Anforderungen entsprechend runtergeschraubt hat, kommt es wohl auf die persönlichen Vorlieben an. Ich würde generell empfehlen, sich bei beiden Firmen zu bewerben und einfach mal schauen, wo man angenommen wird.

Hier ein paar augenscheinliche Unterschiede. Im Detail kann ich zur Edelweiss keine Auskunft geben, weil ich für sie ja (leider) nie geflogen bin und darum die Arbeitsbedingungen, Einsatzpläne etc. nicht kenne. Die Unterschiede sind vom Hörensagen bzw. liegen wegen des Angebots einfach auf de Hand. Nagelt mich bitte nicht dran fest!

Swiss Edelweiss
Business-Destinationen Leisure-Destinationen
Mehr Geschäftsreisende Mehr Familien & Touristen
Nightstops auch in Europa Keine Nightstops in Europa
Kurze Aufenthalte bei der Langstrecke (1-2 Nächte) Längere Aufenthalte bei Langstrecke (3-7 Tage)
Mind. 9 Tage frei pro Monat in der Schweiz Mind. 7 Tage frei pro Monat in der Schweiz
Viele unterschiedliche Teilzeit-Modelle nach zwei Jahren Weniger vielfältige Teilzeit-Modelle
Weiterentwicklung als FCG (First Class Flight Attendant) oder M/C Europa mit Chance auf M/C International Weiterentwicklung als Senior Cabin Crew Member möglich – nach einem halben Jahr Europa automatisch auch für die Langstrecke verantwortlich.

Beides sind rentable und wachsende Airline und faktisch gehört die Edelweiss ja zur Swiss. Es kann also auch sein, dass es zukünftig Fusionen gibt, Destinationen von der anderen Airline übernommen werden etc. Die Zusammenarbeit ist relativ eng und so kommt es immer wieder zu Überschneidungen – was die Zukunft bringt, werden wir sehen. Ich finde, beide Airlines haben ihren Reiz und würde einfach dorthin, wo es für einem persönlich attraktiver ist.

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2 Comments

  • Reply
    Windmeer
    15. Januar 2018 at 22:29

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Ich finde es immer super interessant, wenn du übers Fliegen schreibst. :-)

    • Kristina
      Reply
      Kristina
      15. Januar 2018 at 23:59

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar – freut mich, wenn dir die Artikel zum Fliegen gefallen :)

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    not all those who wander are lost