Lebensart

ENTSCHEIDE DICH! ABER WIE?

Bern Winter 2k

Letztens hatte ich wieder einmal ein langes Gespräch mit meinen Freundinnen. Also, eigentlich habe ich das immer mit ihnen, da wir kaum was anderes machen als Kochen, Wein Trinken und über das Leben Philosophieren. Jedenfalls haben wir über das Thema Entscheidungsfinden gesprochen. Ein Thema, dass so komplex ist, dass es zahllose Bücher gibt mit so verheissungsvollen Titeln wie: „Richtig entscheiden! Entschieden Leben!“ „ Rationales Entscheiden“ „Wie entscheiden Sie?“ Natürlich haben wir nicht einfach so angefangen, über das Thema zu sprechen, sondern haben – wie es Frauen halt so machen – ausführlich über Männer und unsere berufliche Zukunft diskutiert. Lustigerweise nimmt das erste Thema immer mehr Zeit ein, wobei man das zweite doch viel eher beeinflussen kann. Das ist aber ein anderes Thema ;)

Unsere Probleme und Erfahrungen werfen Fragen auf wie: Wenn es nicht läuft, wie manche Chance hat ein Mann verdient? Wann ist zu viel Geduld kontraproduktiv, wann angebracht? Wie finde ich den richtigen Zeitpunkt, um den Job zu wechseln? Wie entscheide ich mich für die passende Weiterbildung? Eine lange Reise oder doch lieber einen sicheren Job? Wie entscheidet man solche Fragen, die nicht offensichtlich sind und wo man zwar Listen schreiben kann, diese aber, seien wir mal ehrlich, kaum zu brauchen sind?

Ich habe zum Glück schon länger eine simple und einfache Strategie. Eine Entscheidung setzt sich bei mir aus drei Komponenten zusammen: Zeit, Information, Gefühl.

Ausschlaggebend ist bei mir immer das Gefühl. Damit sich das aber herauskristallisieren kann, brauche ich viel Zeit und genügen Informationen, um mir realistische Szenarien vorstellen zu können. Kann ich mich jetzt und heute nicht für dieses oder jenes entscheiden, ist der Zeitpunkt für die Entscheidung einfach noch nicht da. Voilà, as simple as that! Ein wahnsinnig einfaches Konzept, dass mir echt viel Kopfzerbrechen erspart. Nur, so einfach fiel mir der Umgang mit den grossen Fragen ans Leben nicht immer und ich verstehe auch, wenn dich das Konzept nicht überzeugt. Hier deshalb das Ganze noch etwas ausführlicher.

Nachdem ich mich überstürzt ins Studium gestürzt habe, habe ich gemerkt, dass ich in Zukunft anders entscheiden muss. Auch wenn die Entscheidung am Ende nicht nur schlecht war (sonst hätte ich das Studium ja abgebrochen) und mir nebst wunderbaren Menschen auch ein paar interessante Inputs und eine tolle Zeit in Fribourg und Bern beschert hat, die Entscheidung, es zu machen war weder durchdacht, noch gefühlt noch sonst wie wirklich stimmig gewesen. Ich habe mein Studium aus Angst, nichts zu finden und aus dem Druck heraus, was „Rechtes“ zu machen angefangen. Viel schlechtere Gründe zu einer Wahl gibt es kaum, oder?

Die erste grosse Entscheidung nach dem Studium war, dann einen Job zu suchen bzw. einen Bereich zu finden, der mich interessiert. Gebrandmarkt von der überstürzten Studienwahl, habe ich mir für diese Entscheidung viel Zeit gelassen. Und festgestellt: ohne Druck kristallisiert sich der richtige Weg fast von selbst raus.

Bern Winter k

Nur passiv zu sein nützt aber nicht. Ich habe mich informiert, eingelesen und mit Menschen gesprochen. Bevor ich mich entschieden habe zu Fliegen statt ein Praktikum in Public Relation zu machen, habe ich mir auch überlegt, welche Vor- und Nachteile diese Entscheidung in sich trägt. Natürlich kann man nie alles abschätzen, aber ich wusste, dass ich sicherlich viel über mich und die Welt lernen würde, dafür keine direkte Berufserfahrung in der Kommunikationsbranche sammeln könnte. Ich versuchte abzuschätzen, ob dies gegebenenfalls später ein Problem darstellen würde und auch, ob es mir Wert sein würde, dieses Risiko zu tragen.

Informationen zu sammeln und verinnerlichen und sich immer mal wieder verschieden Situationen – gute wie schlechte – vorzustellen ist der eine Part einer guten Entscheidung. Der andere Teil macht das Gefühl aus. Wer auf sich selber konzentriert ist und immer wieder in sich hineinhorcht merkt schnell, ob eine eingeschlagene Richtung zu einen passt oder nicht. Das auf-sich-hören ist im Alltag wahnsinnig wichtig, aber ich habe das Gefühl, dass diese durch die Dauerbeschallung und dem immer gleichen Trott oft verloren geht. Leichtfertig wird das Spüren in eine abwertende, belächelnde Schublade gesteckt, als naive Spiritualität oder fernöstliche Meditation bezeichnet, die nichts im europäischen Karrierealltag zu suchen hat.

Aber wenn mir etwas nicht passt, werde ich nervös und gestresst. Da kann mein Alltag noch so ruhig sein, ich noch jeden Abend Homespa machen oder ein Glas Wein trinken: die Nervosität bleibt. Sie kommt tief aus dem Innern und sagt mir, dass ich auf dem Holzweg bin, dass ich etwas ändern muss. Oft spüre ich Unruhen schon lange, bevor ich eine Entscheidung überhaupt in Betracht ziehe. Diese Nervosität zwingt mich immer wieder zu Entscheidungen, die ich so eigentlich gar nicht machen wollte.

Wenn ich aber auf dem richtigen Weg bin, habe ich grenzenlose Energie und fühle mich täglich wie frisch verliebt. Eigentlich bin ich dann auch frisch verliebt, jeden Tag aufs Neue ins Leben und die wunderbaren Möglichkeiten, die es bietet.

Ich bin mir sicher, dass geht dem meisten von euch ähnlich. Vielleicht bahnt sich eine bevorstehende Veränderung durch schlechte Träume an, oder man stellt sich immer wieder vor, wie etwas wäre wenn… Diese Zeichen zu ignorieren sind fatal: du lebst nur einmal und musst schauen, dass dein Leben zu dir passt. Es ist egal, was die anderen von dir erwarten und es ist auch egal, wenn sie Entscheidungen nicht nachvollziehen können. Ich versteh zumindest oft nicht, wie meine Freundinnen dieses oder jenes weiterlaufen lassen, etwas anscheinend Tolles abbrechen oder sich eben doch noch nicht entscheiden können. Ihnen geht es mit mir aber sicher gleich. Aber das ist egal, wahre Freunde stehen auch dann zueinander. Und die anderen lässt man sowieso besser ziehen.

Entscheide dich für dich, dein Leben und dein Tempo. Diesen Weg wirst du sicher nicht bereuen und die meisten anderen Sachen – Männer, Karriere, Familie – werden sich von selber ergeben.

[kristina]

1 Comment

  • Reply
    Kiss & Make-up
    29. Juni 2015 at 12:11

    It’s sooo true that you need to make decisions based on what YOU want, what YOU feel and what you think is best for you. When you stop thinking about what others and society expect from you it becomes much easier to make decisions.

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    not all those who wander are lost