flight attendant persönlich

Die dunkle Seite des Fliegens

Die dunkle Seite des Fliegens – die negative Seite des Traumjob Flight Attendant.

Für Aussenstehende scheint mein Job vor allem eines zu sein: Spass, Spass, Spass! Oder er löst die Assoziationen Jetlag und Schlafmangel aus. Aber damit hat es sich eigentlich auch. Was gibt es auch zu klagen, wenn man heute nach Hong Kong und morgen nach New York kann? Wenn man in chicen Hotels lebt, von der Rooftopbar in Bangkok für einen hippen Brunch nach LA hüpft und diese Orte fast so gut kennt, wie die eigene Heimatstadt? Nichts, sollte man meinen. Und doch ist es mehr, als man denkt, wie ich →hier bereits geschrieben habe.

Über einen dunklen Aspekt des Fliegens habe ich bisher aber nicht geschrieben. Lange, weil er mir nicht bewusst war und dann lange nicht, weil ich diese Seite des Jobs oft auch geniesse. Das Alleinesein. Das Einsamsein.

Irgendwann sprang mich das Erkenntnis aber an wie ein Hund – wie oft habe ich wunderschöne Momenten im Leben, die ich mit niemanden oder höchstens mit Fremden teilen kann. Ich lache mit Kollegen, die ich danach nie mehr wieder sehe, deren Gesichter & Geschichten sich mit der Zeit verschmelzen & verzerren. Ich esse mit einem Buch, weil ich Genuss lieber mit Tiefe als mit Small Talk kombiniere.

Eine Kollegin schrieb kürzlich (frei übersetzt):

«Ich liebe meinen Job. Ich liebe ihn wirklich und kann mir nicht vorstellen, irgendwas anderes zu machen. Aber manchmal ist nicht alles goldig glänzend. Manchmal bin ich an einem so wunderschönen Ort wie heute und fühle mich einsam. Vielleicht ist es den Liebeskummer, den ich immer noch in mir trage, vielleicht die Tatsache, dass meine beste Freundin nicht da ist und ich den Moment nicht mit ihr teilen kann. Vielleicht ist es auch nur ein trauriger Augenblick, der gleich weiterzieht. Wer weiss? … Nur die Sonne und der Singsang der Wellen helfen mir heute, mein Lächeln zu finden.»

Klar, das Alleinesein und Einsamsein in unserem Job ist auch eine Chance – wir können uns sozusagen auf Geschäftskosten selber kennenlernen, uns ausprobieren und ja, manchmal werden aus Kollegen Freunde und wir können Momente mit unseren Liebsten teilen, wenn sie beispielsweise auf eine Rotation mitkommen oder wir sie aus den Ferien abholen können.

Aber mehr also oft wacht man in einem fremden Bett auf – zu früh oder zu spät, je nach Zeitzone – macht sich auf zu seinem liebsten Coffee Shop, loggt sich dort ins Wi-Fi ein und überlegt, was man heute alleine in dieser fremden, grossen Stadt entdecken könnte…

Alle Posts zu meinem Leben als Flights Attendant

1 Comment

  • Reply
    Windmeer
    17. Oktober 2018 at 17:28

    Als ich die Überschrift gelesen habe, dachte ich erst, dass jetzt irgendwas zur Ökobilanz (wäre auch ein interessantes Thema) kommt. Ich denke, jeder Job hat irgendwo seine Sonnen- und Schattenseiten. Wichtig ist nur, dass die Sonnenseiten überwiegen und der Job Spaß macht. Kann man als Flight Attendant eigentlich auch in Teilzeit arbeiten, wenn man z.B. Kinder hat oder einen Nebenjob?

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    not all those who wander are lost