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Fair Food Initiative Nein – was nun?
7 Grundsätze für eine nachhaltige Ernährung, die du bereits heute umsetzen kannst.

7 Grundsätze für eine nachhaltige Ernährung

Gestern wurde in der Schweiz über ein emotionales Thema abgestimmt, dass jede*r in der Schweiz betrifft: die →Fair Food Initiative. Leider wurde sie →klar abgelehnt. Doch nur weil das Thema nicht in der Verfassung verankert ist, heisst es noch lange nicht, dass man nicht nach idealistischen Ideen essen kann. Klar, 100 % Dogmatismus ist nicht, aber kleine Änderungen unterstützen grosse Ziele. Und wenn du dich, die Natur, die Welt und Tiere liebst, ist es höchste Zeit zu überdenken, was du isst!

Hier darum 7 Grundsätze für eine gute Ernährung – und sie sind einfacher, als du denkst!

1. Iss frisches, lokales Gemüse

Wenn du auf eine pflanzen-fokussierte Ernährung setzt, tust du nicht nur dir, sondern auch der Umwelt etwas Gutes. Du denkst, dass ist nur linke Propaganda und es geht nichts über Protein und ein gutes Stück Fleisch? Dann lies «Der Ernährungskompass: Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung – Mit den 12 wichtigsten Regeln der gesunden Ernährung» oder «How Not To Die: Discover the foods scientifically proven to prevent and reverse disease» und lass dich von der Wissenschaft überzeugen. Vielen hilft auch →What The Health zum Umdenken, ich fand vor allem die ökologischen Aspekte im Film spannend.

Ich →koche Zuhause zu 98 % vegan (→Fondue ist die grosse Ausnahme) und esse auswärts vegetarisch. Und ich kann sagen: Ist man von einer bestimmten Ernährungsform überzeugt, fällt der Wechsel sehr leicht.

Für den Kauf von frischem, lokalen Gemüse hast du verschiedene Möglichkeiten:

2. Kaufe Bio-Produkte

Warum Bio? Ganz einfach: Für dich!! Aber auch: Für die Umwelt.

«Es gibt Hinweise darauf, dass verschiedene Stoffe [Pestizide] ihre Wirkung gegenseitig verstärken: So zeigen Studien mit Bienen: Die Belastung mit mehreren Pestiziden schadet einer Kolonie mehr, als wenn sie nur einem Pestizid in sehr hoher Menge ausgesetzt ist. Zudem sind Bienen, die mit verschiedenen Pestiziden in Kontakt kommen, anfälliger für Krankheiten.

Philipp Schenke, Programmleiter für nachhaltige Landwirtschaft bei Greenpeace, geht davon aus, dass es vergleichbare Risiken auch für Menschen gibt. Greenpeace fordert seit langem einen Grenzwert, der zusammengezählt für die Menge aller Pestizide gilt. Heute gibt es Höchstwerte nur für einzelne Stoffe. Schenkel: ‹Die Behörden [der Schweiz] gehen davon aus, dass alles in Ordnung ist, wenn die einzelnen Pestizidgrenzwerte nicht überschritten sind.› Dafür geben es aber keine Belege.»1

Aber nicht nur bei Gemüse und Früchten ist Bio ein Muss, sondern auch beim Wein: 60 % der Fungizide werden in Europa auf Reben ausgebracht – obwohl diese nur 5 % der Anbaufläche ausmachen.2 Eine gute Auswahl an Wein in Bioqualität hat →Mondovino.

3. Wenn Exotisches, dann nur in bio Qualität und Fairtrade

Seit ich →versuche, nachhaltiger zu leben, bemühe ich mich, so lokal wie möglich einzukaufen. Apfel statt Ananas, Bergkräutertee statt Kaffee. Tönt einfach, ist es aber nicht. Zu lecker ist Avocado als Aufstrich und ein Morgen ohne Kaffee ist kein schöner Start in den Tag. Trotzdem konsumiere ich weniger exotische Produkte und denke, dass hier ein langsames Runterfahren den (für mich) richtigen Weg ist.

Im Ausland gelten aber andere Produktionsbedingen als in der Schweiz – diese auf unser Niveau anzuheben war ja eigentliches Ziel der Fair Food Initiative. Gute ausländische Produkte sind solche, die mit einem vertrauenswürdigen Biolabel (siehe Punkt 5) und dem Max Havelaar Label versehen sind.

4. Iss wenig oder – noch besser – kein Fleisch und nicht zu viele Milchprodukte

Für die Umwelt und die Gesundheit ist die vegane Ernährung ideal. Aber gerade auswärts, bei Besuch und auf Reisen ist dies nicht immer leicht umsetzbar. Hier ein paar Fakten die zeigen, warum die Massentierhaltung die Welt zerstört und wie gross die Menge der so produzierten «Waren» ist:

Wenn Fleisch, dann Schweizer bio Fleisch. Und das sage ich nicht, weil ich lobbyiert wurde, sondern weil die Schweiz zum Ausland (der EU) tatsächliche einen höheren Tierschutzstandard hat und weil die →konventionelle Tierhaltung in der Schweiz keineswegs der hübschen Werbung entspricht!

Bilderbuch-Farm

Tiergerechte Haltung ist leider die Ausnahme – auch in der Schweiz

K-Tipp titelt beispielsweise zur Schweinehaltung «Am absoluten Limit zur Tierquälerei»  – ich empfinde diese Tierhaltung absolut als Tierquälerei und kenne niemanden, der so ein Leben seinem geliebten Haustier zumuten würde!

5. Behalte den Überblick im Label-Jungle

Lebensmittellabels gibt es wie Sand im Meer. Welche sind denn nun gut und welche sind nur Schönfärberei? Die Stiftung Konsumentenschutz hat zusammen mit Helvetas, WFF und Pusch einen →übersichtlichen Flyer gestaltet.

Bio Labels Schweiz

Wer sich genauer über ein bestimmtes Label informieren will, kann dies bei →Label Info tun. Bei Kaufentscheidungen unterstützt einen das →WFF Ratgeber-App.

6. Wenn Fertigprodukte, dann solche mit wenig(er) Palmöl

Palmöl ist ein →riesiges Problem (In Asien wird jede Stunde eine Waldfläche von 300 Fussballfeldern vernichtet, damit dort neue Palmölplantagen entstehen können.5) und →das hat zum Glück auch die Politik erkannt. Trotzdem: Coop ist als einziger Schweizer Grossverteiler auf die Forderungen der →Sensibilisierungs-Kampagne Stopp Landraub eingegangen und will bei den Eigenprodukte das Palmöl durch andere, einheimische Öle ersetzen. Bei Produkten, wo dies nicht machbar ist, will Coop mithelfen Fairtrade-Lieferketten nach Bio Suisse Standard aufzubauen.6

Bald können die Fertigprodukte der Coop Eigenmarken mit einem besseren Gewissen gegessen werden. Bis es so weit ist: Die Zutatenliste kritisch lesen und Palmöl ausweichen.

7. Vermeide Food Waste

Der →grösste Anteil an Lebensmittel wird in der Schweiz in Privathaushalten weggeworfen. Das tut nicht nur der Umwelt weh, sondern auch dem Portemonnaie. Bewusst einzukaufen und Reste zu verwerten wirken da entgegen. Hier gibt es viele →Reste-Rezepte.

Wer noch einen Schritt weitergehen will, nutzt die Fairteiler Kühlschränke von →foodsharing, wo Essen, das noch zu gut zum Wegwerfen ist, aber nicht mehr verkauft werden kann, gratis abgeholt werden kann. Brot & Co lässt sich bei der →Äss-Bar günstig und sinnvoll kaufen.

Und, für welche Zukunft isst du?


Pestizid-Cocktail in der Pink Lady, Gesundheitstipp November 2017
Plüss’ Punkte, annabelle 8/17
«Das ganze System ist falsch ausgerichtet, allein zum Nutzen der Agrarmultis» Der Walliser Agronom und Träger des Alternativen Nobelpreis Hans Rudolf Herren im Interview, Pro Natura Magazin 03/2016
Weidewirtschaft statt Industriefleisch, Pro Natura Magazin 03/2016
5 Weniger Palmöl im Supermarkt!, Pro Natura Magazin 05/2017
Coop will Palmöl massiv zurückfahren, Perspektiven September 3/2018

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