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4 Tage Schlechtwetter in Bever und 7 Gründe, nächstes Jahr wieder hinzufahren

Arvenwald im Oberengadin

Einer der Vorteile, in Zürich zu wohnen ist, dass man plötzlich ganz schnell im Graubünden ist. Eine Stunde weniger Weg und die Aussicht auf märchenhafte Wintertage waren diesen Winter Grund genug, gleich zweimal Kurzferien in diesen Sympathiekanton zu machen.

Ab nach … Bever?!

Eine liebe Freundin und ich hatten beschlossen, ein paar Tage in die Berge zu fahren. Schnee und Pisten sollte es haben. Wellness. Ein schönes Zimmer. Und ja, gerne auch bezahlbar sein. Zum Glück geht heute das Recherchieren ja ganz einfach im Internet und inspiriert von einer Cumulusaktion (welche wir dann nicht nutzten) fanden wir beide unabhängig voneinander die →Bever Lodge. Ein kleines aber feines Hotel, welches einladend aussieht und im schönen Oberengadin liegt. Hätte uns nicht bereits das hübsche Interieur überzeugt, wären wir spätestens →bei den Skipasspreisen schwach geworden. 35 CHF für eine Tageskarte: wo bitte sonst gibt es das? Hier in der Schweiz ist es ja normal, mal schnell das Doppelte für ein paar Stunden Schneepass hinzublättern. Die Unterkunft wurde also gebucht und die Vorfreude war riesig!

Zimmer in der Bever Lodge
Unser schönes Zimmer in der Bever Lodge

Der erste Tag: Wanderung nach Spinas

Kennst du Claus Schweitzer? Er ist DER Hotelkritiker der Schweiz und meine Mama grosser Fan. Kaum erzählte ich ihr von den Ferien Bever, suchte sie mir auch schon den passenden Claus-Schweitzer-Tipp raus. Dieser war die Wanderung durch ein Arvenwäldchen zum →Gasthaus Spinas. Da ich am ersten Tag noch alleine unterwegs war und das Wetter auch mehr Wolken als blauen Himmel zeigte, folgte ich dem pinken Winterwanderweg und spazierte durch ein wirklich idyllisches Tal zum besagten Gasthaus. Das Mittagessen war lecker und – was mich besonders freute – saisonal und regional. Ich liebe beim Reisen, typische Gerichte auszuprobieren und neue Spezialitäten kennenzulernen. Zu meiner Freude ist die Bündner Küche sehr vielfältig und der Wein ausgezeichnet!

Essen im Gasthaus Spinas
Zmittag im Gasthaus Spinas, natürlich mit einem Weissen aus dem Graubünden.

Etwas Schade war, dass der Weg auf der linken Talseite aufgrund von Bauarbeiten geschlossen war und deshalb der Hin- und Rückweg gleiche waren. Der erste Tag wurde mit dem Besuch der hoteleigenen Sauna abgeschlossen und so war ich bereits nach wenigen Stunden tiefenentspannt und total verzaubert von der weissen Märchenwelt.

Der erste Tag in Bildern:

St. Moritz – mehr als nur ein Bonzenort?

Am zweiten Tag schneite es ganztags, weshalb wir das Boarden erst mal aufschoben. Spontan beschlossen wir, St. Moritz und dort insbesondere das →Alpentriptychon von Segantini zu besuchen. Giovanni Segantini liess sich für seine Gemälde vom Engadiner Alpenpanorama und dem bäuerlichen Leben inspirieren. Seine bewegende Biografie kannst du im Buch →«Das Schönste, was ich sah» von Asta Scheib nachlesen – ein sehr empfehlenswerter Roman, denn ich unbedingt noch mal lesen will.

When in @stmoritz… #Nusstorte & #Kafischnaps 😋❄

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Ausser diesem Museum hat St. Moritz vor allem eines zu bieten: überrissene Preise in den zahllosen Designershops. Meiner Meinung nach ging der Alpenchic durch all diese Städtelabels verloren. Das Oberengadin hat wirklich viel, viel schönere Orte zu bieten. Beispielsweise Celerina/Schlarigna, wohin wir von St. Moritz aus wanderten (die Wanderung ist so mässig empfehlenswert. Sie führt zwar dem Inn entlang, nebst dem Flüsschen liegt aber auch die Hauptstrasse, weshalb es mehr Abgas als Bergluft gibt), →Pontresina oder eben Bever.

In Celerina/Schlarigna dinierten wir im →wahnsinnig feinen Restaurant Oundas. Das zarte Kalbstatar aus Engadiner madürà-Fleisch und der gehaltvolle Pinot Noir aus Malans waren ein Gedicht! Das Restaurant ist DER Tipp für Geniesser und bist du in der Region (und magst Fleisch), musst du dort unbedingt vorbeischauen!

Alle Fotos Fotos vom zweiten Tag im Oberengadin:

Mit der Rhätischen Bahn nach Italien

Am dritten Tag war das Wetter leider immer noch nicht wirklich pistentauglich (zumindest nicht für uns Schönwetterfahrer) und so beschlossen wir, einen Teil der →UNESCO-Weltkulturerbe-Eisenbahnstrecke «Bernina Express» zu fahren und die Orte Tirano und Poschiavo zu erkunden.

Gekauft haben wir das Ticket für die Bahn am Schalter, wo uns die Dame noch eine super Empfehlung machte: Auch die normalen Züge haben einen Panoramawagen, in welchem man für einen Aufpreis von 5 CHF einen Platz reservieren kann. Damit spart man nicht nur gegenüber dem Bernina Express (dieser kostet 15 CHF), sondern die Waggons sind auch fast leer und man hat so seine Ruhe und genug Platz, mal die Seite zu wechseln, wenn man was Schönes sieht.

Die Fahrt führt über den Berninapass und man fährt am Lej Nair und dem Lago Bianco vorbei. Der Lago Bianco hat, wie der Name schon vorwegnimmt, eine milchige Farbe vom Gletscher. Der Lej Nair ist dunkler, weil das Wasser bereits etwas gefiltert vom Lago Bianco in ihn fliesst. Zudem ist der Pass auch eine Wasserscheide: Ostwärts fliesst das Wasser in das Schwarze Meer, südwärts in die Adria. Jetzt im Winter sieht man natürlich nur Eis statt Wasser und man kann nur erahnen, wo der Gletscher liegt und was normaler Schnee ist. Aber die Berge beeindrucken und das Eis der Seen wirkt mächtig. Es ist wirklich unglaublich, durch was für eine kalte und lebensfremde Landschaft sich der Zug schlängelt!

Tirano ist das Ende der Bahnstrecke und statt einer charmanten italienischen Stadt erwartete uns ein trostloser, einsamer Ort. Vielleicht lebt die Altstadt im Sommer, aber jetzt im Winter war es einfach nur runtergekommen und ausgestorben. Natürlich hat es hübsche Häuser und der Kaffee ist für uns Schweizer fast gratis, aber lange sind wir in Tirano nicht geblieben. Man kann einfach nichts machen und dem Städtchen fehlt den Charme.

Poschiavo
Mehr Fotos von Poschiavo

Besser gefallen hat mir das pittoreske Poschiavo. Ich war ja bereits →2013 dort und das Dörfchen ist einfach hübsch und gepflegt. Unbedingt kaufen musst du in Poschiavo übrigens Teigwaren, welche dort vor Ort gemacht werden und in der restlichen Schweiz als Spezialitäten verkauft werden. Ich kaufe immer ein paar Päckchen extra als Mitbringsel für Freunde. Und zum Essen und Trinken ist die →Hostaria del Borgo empfehlenswert, wo sich ein kleines Apéro schnell zu einem sättigenden Znacht mausert.

Der schöne Tagesausflug in Bildern:

Von Bever nach Celerina/Schlarigna und zurück

Vor unserer Heimreise beschlossen wir, noch mal den Engadiner Charme mit Arvenwäldern, mächtigen Bergen und kunstvoll bemalten Häusern zu geniessen. So wanderten wir von Bever nach Samedan und weiter nach Celerina/Schlarigna, um dann nach einer Kaffeepause auf einem anderen Weg wieder zurück nach Bever zu spazieren. Gut gefallen hat mit nebst der Natur auch der Ort Celerina/Schlarigna, das Dörfchen hat sich viel Charme bewahrt und wirkt im Gegensatz zu Samedan nicht von Touristen überrannt. Die Wanderung hat mir gezeigt, dass das Logieren in Bever wirklich ein Glücksgriff war – längst ist nicht mehr jedes Dorf so wunderschön ursprünglich und klein wie eben Bever.

Engadin pur:

7 Gründe, warum es sich nächsten Winter lohnt, wieder nach Bever zu gehen

Die vier Tage in Bever waren also trotz des schlechten Wetters toll – das Engadin bietet Erholung & Winterzauber. Es gibt aber noch mindestens sieben weitere Gründe, warum ein Ausflug nächstes Jahr wieder geplant wird:

  1. Um bei schönem Wetter den tollen Skipassdeal so richtig auszunutzen und über die Weltbekannten Pisten zu gleiten.
  2. Von Zürich geht es nur drei Stunden und schon ist man in einer anderen Welt.
  3. Das beste Kalbstatar wos je hets gits im Oundas.
  4. Das Oberengadin macht so richtig Lust Langlauf zu lernen – warum also nicht mal was Neues ausprobieren?
  5. Bündner Wein gibt es noch so manchen, den ich degustieren möchte.
  6. Die kunstvoll bemalten Häuser und schönen Türen inspirieren und lassen «Schellenursli»-Gefühle aufkommen (auch wenn dieser eigentlich aus dem Unterengadin stammt).
  7. Das →Mineralbad & Spa Samedan soll auch ganz toll sein…

Traditionelle Türe Engadiner Haus
Bis bald du wunderschönes Engadin!

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